Titelseite

Die Jazzband am Corvinianum

Als ich vor über 30 Jahren an die Schule kam, spielte ich selbst schon seit Jahren in zwei Göttinger Jazzbands (Blue Roseland Orchestra, Red Roseland Cornpickers) und war sofort begeistert von den musikalischen Aktivitäten am Corvi und natürlich von den vielen Schülern, die schon ein Instrument beherrschten.

Zwei Jahre später konnte ich dann meinen Traum verwirklichen und die Corvi-Jazzband gründen; anfangs spielten noch meine Kollegen Herr Struck (Tuba) und Herr Fischer (Klarinette, Saxophon) mit. Die Arrangements bekam ich von Claus Jacobi, der der Chef und Arrangeur der Göttinger Bands war; auch er ist heute noch leidenschaftlicher Jazzer in einer internationalen Formation, „nebenbei“ auch Chef einer Klinik in Bad Gandersheim.

Nach einer anfänglichen Gewöhnungsphase gehörte auf einmal die Jazzband zum festen Bestandteil der Schule dazu. Wir wurden gefördert durch den Northeimer Kultusdezernenten Harald März und durch die KSN, bekamen Gelegenheit, bei Konzerten mit internationalen Größen als Vorband zu spielen: bei Chris Barber, Mr. Acker Bilk, Papa Bue, Monty Sunshine, Champion Jack Dupree, Bent Persson...etc. Wir spielten auf dem Jazzfestival in Cherbourg, viele Male auf dem Jazzfestival in Göttingen. Im Laufe der Jahre haben viele ehemalige Corvi-Jazzer eigene Formationen gegründet und spielen auf vielen nationalen und internationalen Bühnen. Auf dem letzten Göttinger Jazzfestival 2005 sind allein 9 Band aufgetreten, in denen ehemalige Mitglieder der Corvi-Jazzband mitgespielt haben. Zwei Saxophonisten (Tim Hoheisel und Holger Werner) sind Lead-Bläser im Bundesjugendjazzorchester. Man soll ja nicht angeben, ... aber warum nicht ein kleines bisschen.

Unsere gegenwärtige Band hat gerade am 15.Jan. 2006 einen bemerkenswerten Auftritt gehabt: ein einstündiges Konzert in der ehrwürdigen Aula der Universität Göttingen (siehe Fotos). Wie uns der Präsident des Kuratoriums gesagt hat, ist dort zum ersten Mal seit Bestehen der Universität Jazz erklungen ... was wohl Georg V dazu gesagt hätte!

Inzwischen ist unser Repertoire etwas moderner geworden, der Grundbestand ist zwar nach wie vor: Fletcher Henderson, Duke Ellington, Benny Goodman, Count Basie, seit wir in unserer Sängerin Theresa Hunger eine wirkliche „Soul- und Rock-Röhre“ entdeckt haben, spielen wir auch etwas von Aretha Franklin und südamerikanische Bossa-Titel. Das ist neu, aber es macht uns Spaß – und das ist ein wesentliches Element unserer Arbeit.

Aber inzwischen sind wieder zwei Jahre vergangen und Theresa hat uns inzwischen verlassen; dennoch -und das ist fast wie ein Wunder- geht es immer weiter, immer wieder anders, mit neuen, jungen Leuten. Unser neuer Sänger ist Jonathan Hasselhorn, aber er wird auch in diesem Jahr sein Abitur machen und dann...kommen wieder neue Leute.

...und inzwischen sind schon wieder 2 Jahre vergangen und wieder haben wir Glück gehabt: denn wir haben in Anna-Lisa Finke eine Sängerin mit einer glasklaren Stimme gefunden, die schon bei einer Musical-Casting-Show in der Stadthalle Northeim gesungen hat. Auch unser Gitarrist Hendrik Sierks ist ein Allerweltsmusiker, er hat selbst mehrere eigene Bands. Das Spannende an ihm ist jedoch, dass er seinen Mitspielern vermitteln und vor allem vormachen kann, wie man ein Solo improvisiert. Es stimmt nicht ganz, dass ein Solist einfach irgendwie „drauflos spielen“ könnte, auf die paar schrägen Töne käme es nicht an. Man kann es aber auch nicht theoretisch erklären, man muss es ausprobieren, so wie man beim Schwimmen lernen eben ins kalte Wasser springen muss. Wie man im Becken vom Schwimmreifen getragen wird, so wird man bei der Jazzimprovisation von der ganzen Band –vor allem von der Rhythmusgruppe- getragen, dann merkt man, wenn ein Ton daneben ist ... oder man merkt es eben nicht. Aber das ist auch nicht so schlimm. Das Jazzen macht Freude, man kommuniziert miteinander und kann auch mal seinen Frust ablassen (Felix am Schlagzeug hat es da besonders gut).

Februar 2010, Lothar Kohn