Kostenloses Theater für 1000 Schüler:innen
7. März 2026
Vom 24. bis 26. Februar 2026 gab es zum dritten Mal Theatertage für Schüler:innen in der Northeimer Stadthalle. Das Junge Theater Göttingen spielte vor 1000 jungen Menschen von den drei Schulen Corvinianum Northeim, BBS 1 Europaschule Northeim und der Goetheschule Einbeck.
"Die Zertrennlichen" von Fabrice Melquiot
Am 24. Februar 2026 gab das Junge Theater für die Jahrgänge 5 und 6 des Corvinianum eine Szenische Lesung des bekannten Bühnenstücks "Die Zertrennlichen" über eine interkulturelle Freundschaft, die durch rassistische Vorurteile der Eltern unter die Räder kommt. Die sehr reduzierte Inszenierung punktete nicht mit einer Bühnenshow, sondern mit herausforderndem Inhalt.
Lena und Daria aus der 6m schreiben zum Inhalt: "Romain ist Franzose und Sabah ist aus Algerien. Sie freunden sich an und verlieben sich. Ihre Eltern sind aber nicht einverstanden. Zum Teil sind Romains Eltern rassistisch. Sabah zieht schließlich mit ihren Eltern weg." Für Romain beginnt eine lange Suche.
Nach dem Stück gab es ein Gespräch mit Chefdramaturg Christian Vilmar und einer der Darsteller:innen.
Stimmen aus der Klasse 6e:
Leo findet, "dass die Geschichte sehr spannend war. Sie wurde realistisch dargestellt." Matteo hat gefallen, dass "wir am Ende alle Themen besprochen haben." Till findet das Thema "sehr wichtig", das Stück zeige, "dass man vom Rassismus wegkommen kann." Kritisiert wurde, dass – entsprechend einer szenischen Lesung – viel vorgelesen wurde und dass viele Schimpfwörter vorkamen, gleichzeitig wurde gelobt, dass das Stück realistisch sei.
Zusammenstellung des Feedbacks: Wolff
"Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt
320 Corvinianer:innen der Jahrgänge 8-10 sahen am 25.2.2026 den Klassiker von Dürrenmatt. In einem kurzen Nachgespräch konnte das Publikum die Schauspieler:innen zu ihren Rollen befragen und Auskunft über den Beruf "Schauspieler:in" erhalten.
Hanna Hegner und Anna Muß berichten von der Aufführung:
Das Drama handelt von der reichen Frau Claire Zachanassian, die in ihre verarmte Heimatstadt Güllen zurückkehrt. Sie bietet der Stadt eine Milliarde, wenn jemand ihren früheren Geliebten Alfred III tötet. Am Anfang lehnen die Bürger das Angebot ab, weil sie es unmoralisch finden. Doch nach und nach beginnen sie trotzdem teure Dinge zu kaufen und hoffen auf das Geld. Am Ende töten die Bürger Alfred III und bekommen das Geld von Claire.
Die Inszenierung des Theaterstücks „Der Besuch der alten Dame" kam bei den Schülern gut an, vor allem, wenn man den Aspekt betrachtet, dass ein Teil der Schülerschaft das Buch Dürrenmatts bereits vor der Aufführung gelesen hat und deshalb bereits mit dem Inhalt vertraut war. „Man konnte die Figuren des Buches in dem Theaterstück an vielen Stellen anhand ihres Charakters und ihrer Eigenschaften deutlich wieder erkennen", hieß es von vielen Schülern aus der Klasse 9a.
Die Aufführung hinterließ beim Publikum vor allem durch die exzellenten schauspielerischen Künste einen bleibenden Eindruck. Die Schauspieler vermittelten das Gefühl, direkt in das Theaterstück und in die unterschiedlichen Gedankenwelten der Figuren hineingezogen zu werden. Mindestens genauso gut gelang es ihnen, mehrere Figuren gleichzeitig darzustellen, durch unterschiedliche Haltungen und Mimik. Die Inszenierung verdeutlichte noch einmal stark die Botschaft des Stückes: „Wie Geld die Moral der Menschen beeinflusst".
Insgesamt war die Aufführung sehr gelungen und wird den Schülern in Erinnerung bleiben.
"Die Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck
Fast 400 Schüler:innen der Jahrgänge 11-13 sahen am 26. Februar 2026 die Dramatisierung von Jenny Erpenbecks Abi-Roman "Die Heimsuchung". Im Nachgespräch ging Intendant Nico Dietrich auf die Herausforderung einer Dramatisierung ein: "Wir hatten kein Vorbild für diese Dramatisierung, weil wir zu den ersten gehörten, die den Roman für die Bühne aufbereitet haben. Das Entscheidende ist, dass man für das Erzählte Bilder und Handlungen finden muss. Wir hatten außerdem damit zu kämpfen, dass in dem Roman so viele Handlungsstränge verwoben sind." Dass der Stoff es wert ist, fand nicht nur Nico Dietrich, dass Deutschland im 20 Jahrhundert mehrfach heimgesucht wurde, durch Volksverführer und -verhetzer, aber auch z.T. durch die Nachkriegsbesatzer und die ins Unmenschliche abdriftende DDR-Ideologie und dem damit verbundenen diktatorischen Regierungsstil. Die Jahrgänge 12, für die der Stoff abirelevant ist, waren gleich von drei Schulen anwesend: Neben dem Corvi die BBS1 Northeim und die Goetheschule EInbeck.
Die Schüler:innen zeigten sich beeindruckt von den schauspielerischen Leistungen, waren jedoch nach eigenem bekunden von der Stoffülle teils überfordert. Gut, dass die Lektüre des Werkes von Erpenbeck für die Schüler:innen noch ansteht.
Die Theatertage 2026 waren grundsätzlich für die Schüler:innen kostenfrei angelegt. Das wurde möglich durch die folgenden großzügigen Sponsoren: Die Fördervereine der beteiligten Schulen, die AKB-Stiftung EInbeck sowie die Jugendstiftung des Landkreises Northeim.
Text: Wolff; Fotos: Koval






